Ansgar
      Apostel des Nordens

 

 

 

          

 

 

 

 

 

Home

Zurück

 

 

 

Vor 1200 Jahren wurde Ansgar geboren

Wirkte der„Apostel des Nordens“ auch im Kreis Steinburg?

 

„Auch wenn unser Unterfangen bei diesen Völkern
ob unserer Sünden zuweilen aufgehalten wird,
gänzlich ausgelöscht werden kann es niemals.“
(Ebo von Reims an Ansgar)

 

KREIS STEINBURG. Vor 1200 Jahren wurde in einer begüterten Familie in der im Nordwesten von Frankreich gelegenen Picardie ein Kind geboren, getauft  auf den Namen Ansgar, der „Speer Gottes“. Mit Ansgar sind die frühen Bemühungen der katholischen Kirche verbunden, den christlichen Glauben in den Norden Europas zu tragen und dort fest zu verankern.

Nach mehrjährigem Aufenthalt in den Benediktinerklöstern Corbie an der Somme und Corvey („Corveia Nova“/Neu Corbie) an der Weser reiste Ansgar, etwa  813 zum Mönch geschoren,  826 mit dem Dänenkönig Harald Klak nach Dänemark, um dort bei den heidnischen Wikingern Missionsarbeit im Geiste Christi zu leisten. Von 830 bis 831 hielt er sich im schwedischen Birka auf und setzte dort seine später als  „Nordische Mission“ bekannte Arbeit fort. Danach wirkte er ausschließlich im nordelbischen Raum. 848 kehrte Ansgar nach Dänemark zurück. Er brach  852 ein weiteres Mal zu einer Missionsreise nach Schweden auf. Als Ansgar nordelbischen Boden betrat, fand er Taufkirchen in Hammaburg (Hamburg), Heligonstat (Heiligenstedten), Schenefeld/Holstein und Meldorf vor. Auf seine Initiative hin entstanden weitere Kirchen und Kapellen, zum Beispiel in Hamburg, Haithabu, Ripen und Birka.

Ansgars „Nordische Mission“ hatte allerhöchste geistliche und weltliche Priorität, denn sowohl Papst Gregor IV (827-844) als auch Kaiser Ludwig der Fromme (814-840) unterstützten den Benediktiner. So heißt es in der „Vita Ansgarii“ (s.u.): „Sowohl urkundlich als auch durch Verleihung des Palliums bekräftigte Papst Gregor alles nach Art seiner Vorgänger; auch entsandte er Ansgar für seine Person als Legaten zu allen Völkerschaften der Schweden, Dänen, Slawen und sonstigen Stämmen im Norden, wo immer sie wohnen möchten, und zwar neben Erzbischof Ebo von Reims,  der schon früher eine gleichartige Legation erhalten hatte; beim „Leibe und Grabe des heiligen Apostels Petrus“ verlieh er ihm eine Vollmacht zur Glaubensverkündung. Um jede künftige Anfechtung all dieser Verordnungen unmöglich zu machen, belegte er alles Tun und Reden gegen sie und jeden Versuch, dem heiligen Eifer des frommen Kaisers entgegenzutreten, mit der Schärfe des Banns und dem Fluche ewiger Höllenstrafen.“

Anmerkungen:

  1. Das Pallium ist eine weißwollene, mit sechs schwarzen Kreuzchen gezierte, etwa drei Finger breite Schmuckbinde, die ringförmig auf den Schultern aufliegt und in einem herabhängenden Streifen endet. Dieses Amtszeichen verleiht der Papst ehrenhalber in der Regel nur an Erzbischöfe, ausnahmsweise auch an Bischöfe.(Brockhaus);
  2. Erzbischof Ebo von Reim hatte im Jahre 822 auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Münsterdorf ein kleines Missionskloster, die Cella Welanao, errichten lassen.

Für zahlreiche katholische und  auch evangelische Kirchen in ganz Deutschland ist Ansgar Namensgeber geworden. Diese Geste drückt die Achtung vor einem Menschen aus, der unter Einsatz seines Lebens und unter vielfältigen Entbehrungen für die Durchsetzung christlicher Werte gearbeitet hat.

Im Kreis Steinburg sind drei Gotteshäuser nach dem ersten Erzbischof der Bistümer Hamburg (831-847) und Hamburg/Bremen (848-865) benannt: die katholische Kirche St. Ansgar in der Itzehoer Hindenburgstraße, die evangelische St. Ansgar Kirche in Itzehoe-Sude in der Wilhelmstraße und die evangelische St. Anschar Kirche in Münsterdorf.

Eine Kostbarkeit beherbergt die Backsteinkirche von Stellau (Wrist): Im Altarbereich befindet sich eine Ansgarstatue aus dem späten 15. Jahrhundert, die in spätgotischer Manier gearbeitet ist. Die auf der linken Hand der Statue ruhende  Kirche symbolisiert das Bemühen von Ansgar, im skandinavischen Raum christliche Kirchen zu errichten. Die älteste erhaltene Darstellung Ansgars befindet sich auf einem silbernen Brustschild des Münsterdorfer Kaland (1304-1544), eine sich kalendarisch trefende Gemeinschaft geistlicher und weltlicher Herren, aus spätgotischer Zeit: Ansgar hält in der linken Hand ein geschlossenes Buch und in der rechten den Bischofsstab. Beschriftet ist die handwerkliche Schmiedekunst mit den Worten: Sanctus Anscharius (Heiliger Ansgar).

Eine Vielzahl an  Schriften und Büchern sind über  Ansgar und sein Werk verfasst worden. So vermerkt zum Beispiel der Domherr Adam von Bremen (geboren um 1040 – das Todesjahr ist unbekannt) in seiner Schrift „Hamburgische Kirchengeschichte“ unter anderem über das Jahr 834: „Zur selben Zeit soll der heilige Ansgar die Leiber der Heiligen, welche er vom Erzbischof Ebo von Reims zum Geschenk erhalten hatte, über die Elbe gesandt haben. Er ließ nämlich den Leib des heiligen Maternian (Anmerkung: Reimser Bischof) zu Heligonstat niederlegen, die Leichname des Sixtus (Anmerkung: Papst von 257-258) aber und des Sinnicius (Bischof) mit anderen Reliquien von Märtyrern brachte er nach der Stadt Hammaburg“.

Und die „Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte“, Kiel, veröffentlichen im Jahre 1926 einen Text von Professor Gerhard Ficker unter dem Titel „Ein Ablaß für Welna vom Jahre 1432“: „(...) Bisher waren Ablassbriefe für die Kapelle in loco Welna prope Idzehoe in villa Munsterdorpe nur aus den Jahren 1435, 1452 und 1474 bekannt. Wertvoll ist der neue Ablassbrief von 1432 wegen seiner Angaben über Ansgar. Er erzählt, dass dieser sich oft in Welna aufgehalten und dort ein Oratorium (Anmerkung: Bethaus) zu Ehren des heiligen Sixtus errichtet habe. Die Lebensbeschreibung Rimberts sagt uns, dass Ansgar nach aufreibender Missionsarbeit bisweilen die Einsamkeit aufsuchte, um sich in der göttlichen Philosophie zu üben. Welna wird hier nicht genannt; ja wir wissen, dass Kaiser Ludwig der Fromme dem Erzbischof von Reims als Stützpunkt für seine Missionsunternehmungen den Ort Welanao schenkte, und dieser dort eine cella einrichtete. (...) Über die Errichtung des Oratoriums des heiligen Sixtus durch Ansgar haben wir kein altes Zeugnis, jedenfalls kein älteres als unsere Ablassurkunde“.

 Diese Ablassurkunde ist auf einem Pergamentblatt geschrieben, das eine Breite von 26,5 Zentimeter und eine Höhe von 22,7 Zentimeter hat; der untere Teil von 2,7 Zentimeter Höhe ist eingefaltet; durch das eingefaltete Stück ist der schmale Pergamentstreifen gezogen, der das heute nicht mehr vorhandene Siegel trug. Auf dem Pergamentsreifen ist in großen gotischen Minuskeln der Name MARQUARDUS geschrieben. Auf der Rückseite der Urkunde steht geschrieben, dass „Nicolaus Ertzbischoff zu Bremen denen Ablaß gibt, welche die Capel zue Welna besuchen“. Datiert ist die Urkunde auf den 12. November 1432. Aus dem Text von 1926 geht hervor, dass der Ablaß vornehmlich auf Betreiben des damaligen Klerikers Marquardt Brand, Pfarrer an der Nicolaikirche in Kiel, erlassen worden ist.

Mit Ansgar und der Cella Welanao befasst sich ebenfalls Georg Dehio. 1877 geht er in dem Buch „Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen 1, S. 69 und Anmerkungen, von der Annahme aus, dass Ansgar in Welanao ein Oratorium geweiht hat. Er bezieht sich auf einen über Holsteinische Klostergründungen gut unterrichteten Presbyter mit Namen Bremensis, der ca. um 1450 lebte. Dehio findet die Annahme von Bremensis glaubhaft, zumal die Cella von Ebo schon errichtet war. Hierzu wird von Professor Gerhard Ficker 1926 folgendes angeführt: „Es ist aber ganz unmöglich, auf dieses Zeugnis alleine hin eine solche Annahme zu gründen. Er (Bremensis) bezeugt uns nur ein zu seiner Zeit in Welna vorhandenes dem heiligen Sixtus geweihtes Oratorium, dessen Errichtung mit Ansgar in Verbindung gebracht wurde. Außerdem bezeugt er, dass zu seiner Zeit ein heiliger Quell gezeigt wurde, dessen Heiligkeit von einem Wunder Ansgars hergeleitet wurde. Was aus der Cella Ebos geworden ist, wissen wir nicht; ebenso wenig, ob mit ihr, wie es doch wahrscheinlich ist, ein Oratorium verbunden war, und was aus ihm geworden ist. Die Kapelle, von der der Presbyter Bremensis und der Ablassbrief von 1432 sprechen, scheint erst mit der Errichtung des Münsterdorfer Kalands zusammenzuhängen. Denn zum Bau der Kapelle, die die Kalandsbrüder supra Wellam penes civitatem Etzehoe aedificare desiderant, stiftet die Gräfin Heilwig von Holstein am 24. November 1304 zwei Mansen und überträgt den Brüdern das Patronatsrecht über sie. Ebo von Reims war damals längst vergessen, und so konstruierte man einen Zusammenhang mit dem Heiligen Ansgar, dessen Gedächtnis im Gottesdienste weiter lebte. Unschwer lassen sich auf diese Weise die Angaben über Ansgar in unserem Ablassbrief erklären“. 

Die einzige historische Quelle, die das Wirken von Ansgar  authentisch beschreibt, ist die von Rimbert verfasste „Vita Ansgarii“. Rimbert, dessen Geburtsjahr unbekannt ist, war der direkte Nachfolger von Ansgar im Amt des Erzbischofs im Bistum Hamburg/Bremen. Er war Ansgar viele Jahre lang ein treuer Begleiter. Rimbert starb im Jahre 888. Er ist der einzige  Zeitzeuge, der bekanntermaßen Schriftliches über Ansgar hinterlassen hat. Er schildert ihn als konsequent bei der Verbreitung des Christentums. Dabei sei ihm die Unterstützung durch den Wikingerkönig Harald Klak entgegengekommen.

In der „Vita Ansgarii“ schreibt Rimbert: „Die beiden Diener Gottes (Anmerkung: Ansgar und Gautzbert, 845-859 Bischof von Osnabrück) in seiner Begleitung weilten also bald unter Christen, bald unter Heiden; bemüht um das Wort Gottes, mahnten sie allenthalben zum Wege der Wahrheit. Viele wurden durch ihr Vorbild und die Lehre zum Glauben bekehrt, und täglich wuchs die Zahl derer, die im Herrn gerettet wurden. Erfüllt von Liebe zu Gott begannen sie auch, sich für die Verbreitung ihrer frommen Gottesverehrung eifrig um den Kauf von Knaben zu bemühen, um sie zum Dienste Gottes heranzubilden. Auch Harald ließ einige seiner Leute unter ihrer Aufsicht erziehen. So konnten sie dort binnen kurzem eine Schule mit zwölf oder mehr Schülern einrichten. Zudem verschafften sie sich hier und da andere Diener und Helfer“.

An anderer Stelle schildert Rimbert ihn bei der Bekämpfung von Unrecht als unerbittlich. Strafpredigten hielt er auch  seinen Glaubensbrüdern: „Die Leute Nordelbiens hatten sich einmal durch ein abscheuliches Verbrechen schwer vergangen. Einige arme, aus christlichen Ländern geraubte und in Barbarenländern verschleppte Gefangene waren in der Fremde arg gequält worden; in der Hoffnung auf ein Entrinnen flohen sie zu den Christen Nordelbiens, die ja den Heiden am nächsten wohnen; die aber fesselten die Ankömmlinge erneut ohne jedes Erbarmen. Einige verkauften sie an Heiden weiter, andere behielten sie zu eigenem Dienst oder verhandelten sie an andere Christen. Der Herr Bischof war von der Kunde über einen solchen Frevel in seiner Diözese sehr betrübt, wusste aber nicht, wie er Abhilfe schaffen sollte; in das ruchlose Verbrechen waren nämlich sehr viele verwickelt, die bei ihnen als mächtig und edel galten. (...). Ansgar machte sich selbst auf nach Nordelbien, um die rechtswidrig versklavten und verkauften armen Leute irgendwie zu befreien; auch wollte er mit der Gnade des Herrn die Wiederholung solcher Verbrechen verhindern. Auf dieser Fahrt nun zeigte ihm der Herr so viel Gnade und flößte den Rechtsbrechern solchen Schrecken vor seiner Gewalt ein, dass selbst keiner der Edlen und im Bösen Mächtigen seinen Rat oder seiner Weisung etwas entgegenzuhalten wagte. Vielmehr suchte man die Armen auf, wohin man sie verkauft hatte, ließ sie frei, und sie durften gehen, wohin sie wollten. Obendrein verglich man sich zur Vermeidung späterer Streitigkeiten in der Sache dahin: Keiner, der sich durch Habgier vergangen habe, brauche sich durch Eid oder Zeugenbeweis zu reinigen, sie sollten sich vielmehr dem Gericht des allmächtigen Gottes anvertrauen, und zwar sowohl, wer eines solchen Vergehens beschuldigt werde, als auch ein Sklave, der einen anderen beschuldigt habe“.

 Mit keinem Wort erwähnt Rimbert allerdings diejenigen Begebenheiten, die in der  Literatur mit Ansgar in Verbindung gebracht werden: die Errichtung des Bethauses in Welanao, die Aufbewahrung einer Sixtusreliquie in einer Monstranz, einem gläsernen Behältnis, an gleicher Stelle, die Weihung der Kirche von Heiligenstedten im Jahre 834 oder den Bau einer Taufkirche in Schenefeld/Holstein. Und auch Adam von Bremen hat bezüglich der Niederlegung einer Maternian-Reliquie durch Ansgar in Heiligenstedten keine Quelle in seinen Aufzeichnungen angegeben,  die die Richtigkeit der Behauptung wissenschaftlich belegen könnte. Doch ist zumindest anzunehmen, dass Ansgar, der in gutem Verhältnis zu Ebo von Reims stand, auf seinen Reisen dessen „Cella Welanao“ aufgesucht und dort Station gemacht hat. Denn immerhin bildete das christliche Gebiet um die Stör herum die Grenze zum heidnischen Norden. Und warum sollte Ansgar nicht diejenigen besucht und mit ihnen Erfahrungen ausgetauscht haben, die in geistiger Verwandtschaft zu ihm standen? Schließlich handelte es sich bei der Cella Welanao um eine Einrichtung der Benediktiner. Ansgar hat keine selbst verfassten schriftlichen Angaben hinterlassen. Die Nachwelt ist bei ihrer Forschung allein auf das angewiesen, was andere über ihn geschrieben haben. Und selbst seine Gebetsworte, Pigmenta (Würze) genannt, hat er nicht selbst niedergeschrieben. In der „Vita Ansgarii“ schreibt Rimbert dazu: „Diese Sprüche pflegte er während des Psalmensingens mit den anderen nach jedem Psalm leise vor sich hinzumurmeln, wollte sie aber niemandem mitteilen. Durch unablässiges Bitten erreichte es trotzdem einer von uns, der Ansgar besonders nahe stand (Anmerkung: gemeint sein könnte Rimbert selbst), endlich ein Diktat seiner „Würze“, so, wie er gewöhnlich sang. Doch diese Schrift hat er zu seinen Lebzeiten niemandem gezeigt; erst nach seinem Tode möge sie lesen, wer wolle.“

Über den historischen Erfolg der Ansgarschen Missionsarbeit schreibt H. Pohlmann im Heimatbuch des Kreises Steinburg 1924, S. 248 ff: „(...) Noch in der Mitte des 12. Jahrhunderts war das Heidentum nicht nur im slawischen Osten, wo die Wenden saßen, sondern auch im sächsischen Westen fest verwurzelt. Man darf nicht vergessen, dass das Christentum auf ein noch nicht erstorbenes, sondern lebensstarkes Heidentum stieß, das überdies von einem Volksstamme verteidigt wurde, der an Zähigkeit zum Äußersten fähig war. (...). Als Ansgar am 3. Februar 865 die Augen für immer schloss, konnte von einem Missionserfolg nur in aller Bescheidenheit geredet werden. Nur sein Vorbild blieb, und man hat gut daran getan, noch nach  1000 Jahren Krankenhäuser und Kirchen, Plätze und Kirchengemeinden mit seinem Namen zu nennen. Rimbert (...) hat in seiner „Vita Ansgarii“ mit größter Liebe von seinem Lehrer geredet. Daher ist es gekommen, dass Ansgar den Ehrentitel „Apostel des Nordens“ erhielt und als solcher noch heute in der Geschichte nachlebt. H. von Schubert sagt: Umsonst war sein Leben nicht.“

Hermann Schwichtenberg

 

Verwendete Literatur:

  1. Vita Ansgarii, Rimbert (um 865)/Hilde Rieper (1995)
  2. Die „Pigmenta“ des Heiligen Ansgar, Rimbert ? (um865)/Ökumenischer Autorenkreis (1997)
  3. Ansgar-Apostel des Nordens, Professor Gottfried Mehnert (1964)
  4. Hamburgische Kirchengeschichte, Adam von Bremen (11. Jahrhundert)
  5. Münsterdorfer Chronik, Ernst Krohn (1966)
  6. Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, 8. Bd., 2. Heft (1926)
  7. Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 1 (1924)
  8. Der Große Brockhaus (1979)
  9. 850 Jahre Aukrug: Die Schlacht bei den Dithmarsischen Bergen im Jahre 1317: Eine Legende? (2001/Internetseite zu u.a. Presbyter Bremensis)
  10. Mit Ansgar beginnt Hamburg, Kath. Akademie Hamburg (1986)
  11. Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Bd. 1, Professor Dr. Peter Meinhold u.a., (1977)
  12. Glauben – Nordelbische Schätze 800-2000, Johannes Schilling

Aus dem im Auftrag der ev.-luth. Kirche von Johannes Schilling herausgegebenen Buch „Glauben – Nordelbiens Schätze 800-2000“ heißt es über die vergoldete Mantelschließe, die mit Edelsteine und Emaille besetzt ist, unter anderem:

Die prächtige ansteckbare Agraffe hat die Form eines Vierpasses mit spitzwinkligen Aussprüngen in den Passwinkeln. Sie ist umzogen von einem breiten, erhabenen Rand mit drei aufgelegten unterschiedlich gedrehten Zierbändern. Die Außenzarge lochgemustert. Auf den Aussprüngen radial geordnete, gebnuckelte Weinblätter. Zwischen oberem und unterem Passbogen eingeschoben eine teils freiplastische Baldachinarchitektur, vor deren tiefem Grund die fast vollrunden Gestalten der Bischöfe Ansgar und Sixtus auf Konsolen, beide im Ornat mit Buch und Krummstab in den Händen und einem Almandin auf der Brust. Ein solcher auch im Baldachin, ein größerer Amethyst zwischen den Konsolen. Die wenigen tiefen Gründe der Passfelder beiderseits der Architektur sind mit violettem (links) und grünem (rechts) Emaille ausgelegt. Darin in gotischen Minuskeln jeweils groß: KL, sowie in Inschriftbändern: sanctus anscharius (links), sanctus sixtus (rechts). Auf der silbernen Rückplatte silberne Spange und Öse zum Schließen des Mantels.

Die Schließe stammt aus dem Besitz des Münsterdorfer Kalands, wie aus der zweimaligen Beschriftung „KL“ und der Darstellung der Heiligen Bischof Ansgar und Papst Sixtus II zu schließen ist.

Für unterstützende Hilfen danke ich Dr. Bertold Höcker und Dr. Arnd Heling, Landeskirchenamt, Kiel; Rolf Michaelsen, Archivar am Meldorfer Dom; Dr. Jonkanski, Landesdenkmalamt, Kiel; Archiv des Nordelbischen Kirchenamtes, Kiel; Dr. Rotke, Landesbibliothek, Kiel; Adeliges Kloster Itzehoe.

(sch).Der nachfolgende Text sind die Worte von Pfarrer Christoph Giering, Katholische Pfarrgemeinde St. Ansgar, Itzehoe, auf meine Frage: Welche Bedeutung hat der ‚Apostel des Nordens’ für die Itzehoer Pfarrgemeinde St. Ansgar?

„Unsere Kirche wurde im Jahre 1904 – gut 40 Jahre nach Aufhebung des Verbotes katholischer Gottesdienste – unter Mitwirkung des Itzehoer Stadtbaumeisters Johann Kröger erbaut. Nach altem Brauch wurde sie unter Namen und Patronat eines Heiligen, einer bedeutenden Persönlichkeit aus der Kirchengeschichte, gestellt: ‚St. Ansgar’ war sicher keine zufällige Wahl. Eine Gemeinde, deren Gebiet mit Heiligenstedten und Münsterdorf historische Wirkstätten Ansgars aus dem 9. Jahrhundert umgreift, verstand und versteht sich in Tradition: Wir haben unseren Glauben nicht erfunden, er wurde uns überliefert; wir wollen ihn ja auch in die Zukunft mitnehmen und weitergeben.

Ansgar, der von nun 1200 Jahren im heutigen Nordfrankreich geboren war, hatte von seinem 26. Lebensjahr bis zum Tod am 3. Februar 865 kaiserliche und päpstliche Aufträge zur Mission in Nordeuropa von Hamburg bis Haithabu, von Bremen bis zum schwedischen Birka. Er hat bei der Grundlegung des Christentums in unserem Gebiet entscheidend mitgewirkt.

Einige Facetten seines Lebens sind für uns Katholiken in der norddeutschen Diaspora besonders bedeutsam. Manches davon spricht sicher auch zu den Christen anderer Konfessionen:

  1. Ansgar war Mönch. Er lebte erst als Lehrer, dann als Missionar und Bischof nach der Regel der Benediktiner. Dieser Orden war für die Kultur und den Glauben ins ganz Europa von größter Bedeutung. Zu seiner geistlichen Regel gehörte es damals und bis heute, mehrmals am Tag im ‚Stundengebet’ die Psalmen, Hymnen und Gebete nach genauer Ordnung zu sprechen oder singen. Ansgar war also ein betender Mensch. Er hatte in seinem Orden die betende Weltsicht gelernt, die Gottes Nähe ahnt und aufmerksam sucht. Seine Missionsarbeit hatte ein geistliches Fundament. Einen Beter, einen Ordensmann als Patron zu haben – das will unsere Gemeinde zum Gebet führen. Tagsüber ist die Ansgarkirche daher immer geöffnet für alle, die einen Ort der Stille und des Gebetes suchen. Und wenn wir dort vielfältig Gottesdienste feiern, dann gehören dazu auch immer wieder Teile des Stundengebetes.
  2. Ansgar war Erzbischof von Hamburg und Bremen, Missionar in Dänemark und Schweden. Deshalb ist die Verbundenheit zur Kirche in Skandinavien ein weiterer Impuls, der von ihm ausgeht. Das gemeinsame ‚Ansgar-Werk’ der Bistümer Hamburg und Osnabrück pflegt Kontakte und vermittelt menschliche und finanzielle Hilfe.
  3. Ansgar hat gewusst, dass in der Nachfolge Jesu Christi, des Gekreuzigten, nicht einfach alles glatt geht. Scheitern und Tod gehören mit zur Perspektive der Auferstehung. In seiner Arbeit hat Ansgar viele Rückschläge hinnehmen müssen. Mehrfach ist das, was er aufgebaut hatte aus Mangel an Mitarbeitern oder durch Gewalt vernichtet worden. Am schlimmsten mag für ihn der Überfall der Wikinger auf Hamburg 845 gewesen sein. Damals wurden seine Kirche, sein Hab und Gut und sein Bischofssitz niedergebrannt und vernichtet. Dennoch hat er nicht den Mut verloren. Seine Spiritualität hat ihm die Kraft zum Bestehen, zum Durchhalten, zum Neuanfang gegeben. Wer ihn als Patron hat, soll auch das für sein Leben und seine Pläne bedenken: Es gehört zum christlichen Glauben und ist wichtig, mit Grenzen und mit dem Scheitern umgehen zu lernen.

Vor wenigen Jahren konnte unsere Kirche renoviert und umgestaltet werden. Während der Weihezeremonie ließ Erzbischof Dr. Averkamp vor dem Altar eine schlichte Kapsel mit einer Knochenreliquie des Heiligen Ansgar in den Fußboden ein. Ein solches Zeichen mag manchem fremd sein. Für viele Menschen unserer Kirche ist es jedoch ein Symbol der Glaubenstradition. Es erinnert uns an ‚unseren’ Heiligen, dessen Glauben und Leben in geschichtlichem Zusammenhang mit unserem steht. Darüber hinaus zeigt es an, dass wir bei jeder irdischen Gottesdienstfeier in Kontakt sind mit der Gemeinschaft des Himmels, der Engel und der Menschen, die Gott aus dem Tod gerufen hat“.

 

Patronatsfest der Katholischen Ansgargemeinde

ITZEHOE (sch). Am Sonnabend, 3. Februar, begeht die Katholische Kirchengemeinde St. Ansgar ihr Patronatsfest. Die Feierlichkeiten beginnen um 19 Uhr in der St. Ansgar-Kirche, Hindenburgstraße 26, mit einem Vesper-Gottesdiest. Im Anschluss daran findet im Ansgarsaal, Coriansberg 20, das „Ansgarforum“ statt. Der Vortrag von Schwester Lydia Timmermann aus dem jütländischen Tondern steht unter dem Thema „Katholiken in Dänemark“. Daran schließt sich eine Aussprache mit der Ordensfrau an. Das Patronatsfest wird traditionel am Todestag (3.2.865) von Ansgar, dem „Apostel des Nordens“, ausgerichtet. Unabhängig von konfessionellen Bindungen steht das Fest jedermann offen. 

 

"Dieses Referat schickte  mir Herr Hermann Schwichtenberg mit der Erlaubnis es hier zu veröffentlichen"

 

 

 

[Home]   [Sitemap]